Es wurde uns viel gelehrt auf unserer Lehrfahrt ins größte Freilichtmuseum in Rheinland-Pfalz, zum Beispiel wie die Menschen hier während der letzten fünf Jahrhunderte gelebt, gewohnt und gearbeitet haben. Um das vergangene Alltagsleben möglichst anschaulich und greifbar zu machen, werden seit Mitte der 1970er Jahre historische Häuser Stein für Stein und Holz für Holz vor Ort abgebaut und im malerischen Nachtigallental originalgetreu wiederaufgebaut. Vierzig Gebäude in vier Baugruppen mit Dorfcharakter repräsentieren die Hauslandschaften in Rheinhessen, Eifel, Hunsrück und Pfalz, an Mosel, Nahe und Mittelrhein. Regelmäßig kommen neue Gebäude hinzu. Zwischen den Baugruppen liegen Hausgärten, Äcker, Wiesen und Weiden.
Unsere Mannschaft wurde in 3 Gruppen eingeteilt entsprechend der Laufbereitschaft bzw. Lauffähigkeit, eine Gruppe wurde zu den verschiedenen Stationen gefahren, die beiden anderen Gruppen hatten verschiedene Laufschnelligkeiten, gemächlich und etwas schneller. Den größte Teil des zwei Kilometer langen ausgeschilderten Rundwegs folgend, kamen wir an verschiedenen Häusern des Museums vorbei. Beim Gebiet Mosel Eifel besuchten wir die historische Kegelbahn „Elsens Garten“ aus Wittlich. Die originale Bohlenhochbahn aus dem 19. Jahrhundert kann gemietet werden, wobei die Kegel von Hand aufgestellt werden.
Noch weiter zurück in die Vergangenheit ging es im Haus Ürzig, ein historischer Fachwerkbau, erbaut 1607. Es gehört zur Baugruppe „Mosel/Eifel“ und ist ein zentraler Anlaufpunkt für historische Vorführungen („Living History“), bei denen das Leben des 18. Jahrhunderts authentisch nachgestellt wird. Die Gruppe „Lon und Solt“ versetzte uns in die Zeit um 1760 und geht den Fragen nach: Wie hat man damals auf dem Land gelebt? Wie war das Leben für die Zivilisten und Soldaten? Mit ihrem munter-lebendigen Auftreten nahmen sie uns mit ins 18. Jahrhundert. Es wurde zünftig auf offenem Feuer gekocht, beißender Rauch kam aus der Küche, eine Frau saß am Spinnrad, ein Kerzenzieher präsentierte uns seine historischen Kerzen, man wohnte sehr beengt, ein großer Zuber diente als Badewanne.
Anschließend führte uns der Weg in das Gebiet „Hunsrück – Nahe“ wo wir im Winterburger Tanzsaal aus dem 19. Jahrhundert zu einem flotten Tänzchen aufgefordert wurden. Wir besuchten ein Postamt, eine Schmiede und die kleine Kneipe im Haus Bickenbach dort, wo Geschichte und Geselligkeit zusammenkamen.
Nach dem Rundgang hatten wir Zeit zur freien Verfügung und die Möglichkeit uns in der Museumsgaststätte zu stärken. Anschließend ging es zum Weingut Storr nach Alzey.
Nachdem wir Bad Sodernheim verlassen hatten ging es weiter nach Alzey zum Weingut Storr, wo für uns auf dem Scheuerboden zur Weinprobe eingedeckt war. Begrüßt wurden wir vom Seniorchef, Lothar Storr, der die Verkostung mit einem Spruch des Rheinhessischen Dichters Carl Zuckmayer startete.
Viel reicher als der Rosen Elixier,
viel voller als die Wolke aus Importen,
viel heiliger als Weihrauch duftet mir,
die Blume Wein von edlen Heimatsorten.
Das Gedicht ist eine wunderbare Ode an die Heimatverbundenheit und den Genuss des heimischen Weins. Herr Storr hat uns in seiner netten Art sein ganzes Wissen rund um den Wein, die Weinbereitung und über das fachgerechte Verkosten humorvollen dargeboten. Es wurde gelacht, gescherzt und auf jede Frage, die wir hatten, gab es prompt eine Antwort. Und natürlich wurde auch Wein probiert, was dem Gaumen gefiel. Dazu gab es einen leckeren Vesperteller. Rundum ein wirkliches Erlebnis für uns Interessierte der Weinkultur.
Kredenzt wurden 6 Weine, beginnend mit einem trockenen gehaltvollen Rotwein, dem Acolon Qualitätswein. Acolon ist eine junge, deutsche Rotweinsorte. Sie wurde 1971 in Weinsberg aus Lemberger und Dornfelder gekreuzt. Die Weine zeichnen sich durch eine tief dunkle Farbe, Aromen von dunklen Beeren und Kirschen sowie milde Tannine aus. Sie sind besonders vollmundig, samtig und harmonisch. Der Name Acolon ist ein reiner Phantasiename und keine geografische Bezeichnung.
Es folgten ein Spätburgunder Blanc de Noir und ein Chardonnay, beides auch trockene Qualitätsweine.
Weiter ging es mit den lieblicheren Sorten, ein gelber Muskateller mit feiner Würze und ein Gewürztraminer Spätlese mit vornehmer Rosennote.
Abgerundet wurde die Verkostung durch eine 2023er Kanzler Auslese. Als Kanzler bezeichnet man eine eher selten angebaute Weißweinsorte, aus der fruchtige, hochwertige Weine produziert werden. Die Sorte wurde 1927 an der Landesanstalt für Rebenzüchtung in Alzey aus einer Kreuzung von Müller-Thurgau und Silvaner gezüchtet. Eine Auslese, die mit lebendiger Frische und lebhafter Finesse Weinliebhaber begeistert. Farblich präsentiert sich dieser Wein in einem schönen Strohgelb mit dezenten goldenen Reflexen. In der Nase entfaltet sich ein komplexes Bouquet mit Aromen von reifen Früchten wie Pfirsich, Aprikose und Honigmelone. Am Gaumen zeigt sich die Auslese süß und vollmundig, mit einer ausgeglichenen Säure, die für Frische sorgt. Der Abgang ist langanhaltend und harmonisch. Dieser Wein erhielt die „silberne Kammerpreismünze“ ein renommiertes, staatliches Qualitätssiegel für Weine und Sekte in Rheinland-Pfalz.
Drei Generationen der Familie Storr bewirtschaften zurzeit Weingut und Winzerhotel Himmelacker sowie den landwirtschaftlichen Betriebszweig. Die Familie ist seit dem 16. Jahrhundert in Dautenheim ansässig, zuerst vor allem als Acker- und Viehbauern, später auch als Winzer. 2023 war es endlich soweit und sie konnten einen neuen Keller sowie eine Kelterhalle auf der gegenüberliegenden Straßenseite einweihen und somit die dritte Generation für die Zukunft wettbewerbsfähig machen. Mit Gläsern in den Händen machten wir uns auf zu dieser anderen Straßenseite um das neue Kelterhaus zu besichtigen.
Wir waren beeindruckt von den vielen großen Stahltanks die wir zu sehen bekamen, etliche Liter feiner Tropfen lagerten darin.
Der Edelstahltank ist ein Behälter um Wein gären und lagern zu lassen. Bei der Verwendung von Edelstahl kommen mehrere Vorteile zum Tragen. Einer der Eigenschaften von Edelstahl besteht darin, dass es luft- und wasserdicht ist, was dazu führt, dass kein Sauerstoff in den Wein gelangt. Man spricht dabei auch häufig von der Neutralität von Edelstahltanks. Dadurch wird auch die Eigennote des Weines nicht durch fremde Einflüsse verfälscht, wie dies etwa bei Holzfässern der Fall ist. Zu den Vorteilen zählen auch die einfache Reinigung der Behälter, insbesondere von Weinstein, und die Verfügbarkeit zahlreicher, unterschiedlich großer Behälter, welche eine weitreichende Flexibilität für den Winzer bieten. Hinzu kommt, dass sich die Temperatur leichter regeln lässt. Nachteilig wirken sich die hohen Anschaffungskosten, sowie eine langsamere Reifung der Weine aus.
Am Ende des Rundgangs wurden wir an einen ganz besonderen Tank geführt, gefüllt mit einem Sylvaner trocken von 90 Öchslegraden, Herr Storr öffnete den Auslaufhahn und befüllte unsere Gläser mit diesem köstlichen Wein. Nach dieser letzten Weinprobe und einigen interessantenGesprächen hieß es Abschied nehmen vom Weingut zur Heimfahrt .
Wir blicken zurück auf einen wunderschönen Ausflugstag, an beeindruckende Erlebnisse im Freilichtmuseum Bad Sodernheim und einem gelungenen Abschluss im Weingut Storr.
Ich bedanke mich im Namen aller Ausflugsteilnehmern für die tolle Bewirtung mit leckerem Vesper und erfrischenden Getränken beim Frühstück aus der Bordküche.
Petra Krapp-Meiser, Schriftführerin


